„Wer es sonst zu nichts bringt, macht eben HR“ – Warum diese Einstellung Unternehmen die Wettbewerbsfähigkeit kostet

#HR

„Wer es sonst zu nichts bringt, macht eben HR“ – Warum diese Einstellung Unternehmen die Wettbewerbsfähigkeit kostet

Christian Maerzke ist Geschäftsführer HR bei Venture Stars, Münchner Company Builder und i-potentials Kunde. Christians Alltag dreht sich darum, Unternehmen personal- und organisationsseitig zukunftsfähig aufzustellen. Genau wie der von i-potentials Head of Sales Franziska Anders. Wir haben mit beiden über die Zukunft von Recruiting und Personalberatung gesprochen.

Wie sieht die zukünftige Rolle von Recruiting und HR aus Eurer Sicht aus? 

Christian Maerzke: Ich glaube, dass HR und Recruiting sich sehr stark wandeln müssen. In vielen Unternehmen ist die HR Abteilung das Team, wo Mitarbeiter sitzen, die keiner so richtig ernst nimmt. Statt dessen muss HR im eigentlichen Sinne zum "Business Partner" werden und die Fachabteilungen so gut verstehen, dass sie das Business einschätzen können. Vor allem müssen sie einschätzen können, was man mitbringen muss um in den einzelnen Bereichen erfolgreich zu sein. Im Grunde muss ein Personaler SEO Handbücher lesen und auch mal eine Online Marketing Kampagne machen können, sonst kann er für diesen Bereich nicht sinnvoll rekrutieren. Die Jobs und Fachbereiche werden sich in Zukunft immer schneller wandeln und HR und Recruiting sind massiv darauf angewiesen, an ihren jeweiligen fachlichen Entwicklungen und Trends dran zu bleiben.

Franziska Anders: Erst mal müssen wir alle aufhören, HR und Recruiting in einen Topf zu werfen. Wenn wir nach Recruitern für unsere Kundenunternehmen suchen, geht es letztlich um Sales Profile. Recruiter müssen heute in der Lage sein, die besten Kandidaten fürs Unternehmen zu überzeugen und sich dabei sowohl fachlich als auch recruiting-technisch bestens auskennen – das sehe ich wie Christian. Der Jobmarkt dreht sich derzeit so schnell, dass es zu den Kernthemen eines Recruiters gehört, an Trends und Entwicklungen sowohl im Recruiting als auch in seiner jeweiligen Branche dran zu bleiben.

Recruiter sind dabei mit der wichtigste Teil des Employer Brandings eines Unternehmens: Sie repräsentieren das Unternehmen jeden Tag. Wenn ein Recruiter im Prozess zu lange braucht, kann man sich im Grunde alle Employer Branding und Personalmarketing-Maßnahmen sparen.

Was braucht es aus Eurer Perspektive um unternehmerische Top Talente einzustellen und zu halten?

Christian Maerzke: Individuelle Karriere-Pläne, die sicherstellen dass die Leute sich entwickeln können und zwar nach ihren eigenen Präferenzen und nicht ausschließlich nach den Interessen des Unternehmens. Wir schauen jeweils individuell, was sinnvolle nächste Schritte für die Leute sind und bieten bspw. Job Rotations an. Entwicklung bedeutet heute nicht mehr zwangsläufig, dass man Manager wird und Führungsverantwortung übernimmt, die Erwartungen sind da individuell enorm unterschiedlich.

Gerade die Jüngeren haben hohe Anforderungen an Arbeitgeber. Die werden schnell unzufrieden, wenn sie sich nicht den Dingen widmen können, die sie persönlich wichtig finden - egal ob die relevant für den Job sind oder nicht.

Franziska Anders: Unsere Erfahrung ist ähnlich: 95% der Top Kandidaten kommt es darauf an, dass sie sich weiterentwickeln und mit dem Unternehmen wachsen können. Dafür muss Wachstum und Innovation grundsätzlich Teil der Unternehmenskultur sein, sonst funktioniert die Zusammenarbeit nicht langfristig. Damit tun sich viele Firmen auch angesichts der Digitalisierung noch schwer – natürlich auch, weil jahrzehntelanges Hierarchie- und Prozessdenken schwer von heute auf morgen abzulegen sind. Unsere Beratungsprojekte zeigen allerdings, dass es bei Innovationsfähigkeit nicht darauf ankommt, wie alt oder groß ein Unternehmen ist, sondern hauptsächlich auf eine grundsätzliche Haltung und Konsequenz der Unternehmensführung.

Wie seht Ihr die Rolle von Personalberatungen wie i-potentials zukünftig?

Christian Maerzke: Ich glaube, dass Beratungen insgesamt sehr viel agiler werden und in kürzester Zeit erkennen müssen, was die erfolgskritischen Faktoren für ein Unternehmen sind. In Zukunft wird es immer mehr darum gehen, in kleinen, iterativen Schritten zu arbeiten anstatt riesige Change Projekte aufzusetzen, die letztlich an den Leuten vorbei gehen. Bei vielen Themen würde es mir am meisten helfen, vom Erfahrungswissen eines Beraters zu profitieren: Was sind proven models, welche Lösungen haben wann und warum in verschiedenen Kontexten funktioniert und welche nicht?

Franziska Anders: Personalberatungen werden sich in Zukunft nicht mehr auf ihrer Expertise ausruhen oder einfach mit einem bestehenden Kandidatenpool arbeiten können. Der Beratungsaspekt wird zunehmend wichtiger und dafür braucht es Flexibilität & eine enorm hohe Lösungskompetenz. Ein guter Personalberater muss in der Lage sein, neue Business Modelle und dazugehörige neue Jobprofile schnellstens zu verstehen um Lösungen zu finden für die es womöglich noch keine Vorlage gibt. Bei der Auswahl/ von Top Kandidaten müssen wir also in erster Linie in der Lage sein, Mind-Set und Potential „lesen“ zu können, weniger die bisherige Erfahrung – denn das jeweilige Job-Profil wird sich wahrscheinlich morgen schon wieder verändern.

 

Event Kalender

i-potentials Events