Wie finde ich die richtige Recruiting-Software?

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Wie finde ich die richtige Recruiting-Software?

Am Markt für digitale HR-Tools gibt es aktuell allein im deutschsprachigen Raum mehr als 300 Anbieter. Wer soll da noch durchsteigen? Ein Leitfaden für alle, die mit der Auswahl der richtigen Recruiting-Tools nicht wissen, wo sie anfangen sollen.

Ein Blick auf die Zahlen lässt keinen Zweifel zu: Die RecTech-Branche (ausformuliert: Recruiting Technologie) ist endgültig in Deutschland angekommen. Auf dem Markt tummeln sich mittlerweile mehrere 100 Anbieter - teilweise sind die Software-Unternehmen hierzulande gegründet, doch auch viele ausländische Anbieter sehen in Deutschland wegen seiner Größe und der boomenden Wirtschaft einen interessanten Absatzmarkt.

Unsere Datenbank umfasst aktuell über 300 digitale Player, die sich auf Tools für HRler und Recruiter spezialisiert haben (von denen RecTech eine nennenswerte Subkategorie ist) - und die Liste wird von Woche zu Woche länger. Wenn wir mit Personalern und Unternehmenslenkern über Tools sprechen, sehen wir regelmäßig das Schwanken zwischen Euphorie (“So viele Möglichkeiten!”...“Das wird unsere Arbeit komplett verändern!”...) und Überforderung (“Was brauchen wir denn nun eigentlich?”...”Ui, das ist aber ganz schön teuer, ist es das auch wert?”).

 

Anbieterfülle bei HR-Tech: Zwischen Euphorie und Überforderung

Als wir uns selbst diesem Thema genähert haben, ging uns das am Anfang nicht anders. In einem Bereich, in dem das Excel-Sheet jahrelang als Krone der technischen Innovation galt, fühlt man sich auf dem Markt der HR-Tools wie das sprichwörtliche Kind im Süßigkeitenladen - man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll. Und: Das eine Tool, das auf magische Weise alle Talent Acquisition Probleme löst, gibt es leider nicht (auch wenn der ein oder andere Anbieter es vielleicht so pitcht).

Daher wollen wir in diesem Post einmal exemplarisch unsere Herangehensweise bei 2 immer wieder auftretenden Fragen bezüglich der Nutzung von Tools zeigen:

  • Was für Recruiting-Tools sind für mein Unternehmen sinnvoll?
  • Wie wähle ich den passenden Anbieter am HR-Tech-Markt aus?       

Was für Recruiting-Tools sind für mein Unternehmen sinnvoll?

Als wir kürzlich beim CodeCamp mit dem Motto “HR loves IT” in Berlin waren, kam in einer Session die bezeichnende Frage auf “Warum macht meine HR-Software eigentlich nie das, was ich will?”

Dabei hilft es, sich einmal die Gegenfrage zu stellen: “Was will ich denn von meiner HR-Software?”

Meistens liegt da nämlich genau der Haken: Wer nicht weiß, was er mit der neuen Software überhaupt erreichen will, läuft eher Gefahr, sich bei Produkt-Demos ablenken zu lassen - und die Investitionsentscheidung auf Basis von Features zu treffen, die zwar cool sind, aber nichts nützen. Bevor man also anfängt, Tools und Anbieter zu recherchieren, lohnt es sich, den Recruiting-Prozess kritisch unter die Lupe zu nehmen und sich zu fragen, wo die größten Blockaden und Engpässe sind.

Am Markt für digitale HR-Tools gibt es aktuell allein im deutschsprachigen Raum mehr als 300 Anbieter. Wer soll da noch durchsteigen? Ein Leitfaden für alle, die mit der Auswahl der richtigen Recruiting-Tools nicht wissen, wo sie anfangen sollen.

Die 6 Schritte im Recruiting-Prozess

 

 

Auch wenn Recruiting-Prozesse je nach Organisation und Branche etwas anders ausfallen mögen, lassen sie sich jedoch grob in 6 Schritte einteilen (s. Grafik).  Wenn wir verstanden haben, an welchem Schritt eine Blockade herrscht, kann man sich auf die Suche nach den Tools machen, die in diesem Schritt verfügbar sind.

Wie wähle ich den passenden Anbieter am HR-Tech-Markt aus?

Wissen wir erstmal, welchen Schritt des Recruiting-Prozesses man mit dem Einsatz von Tools unterstützen möchte, kann man Anfangen, nach der passenden Software-Lösung zu suchen. Dabei empfiehlt es sich in jedem Fall, mehrere Anbieter zu vergleichen.

Wenn wir für uns intern oder für unsere Kunden Vergleiche durchführen, schauen wir uns insgesamt mehr als 30 Kriterien an. Das mag erst mal exzessiv klingen, hat sich aber bewährt, zumal die Investitionssummen für die Technologien bisweilen im fünfstelligen Bereich (pro Jahr!) liegen.

Aktuell besonders brisant ist die Frage nach dem Datenschutz mit Hinblick auf die DSGVO in Europa, die seit dem 25. Mai 2018 gilt. Natürlich ein wichtiges Thema, das gerade mit Hinblick auf sensible Mitarbeiter-Daten auch ein Kriterium sein sollte – aber eben nicht das einzige.

Die einzelnen Kriterien alle zu erläutern, würde hier etwas den Rahmen sprengen, aber die übergeordneten 6 Kategorien sind hier mal exemplarisch dargestellt:

1) Tool-Anbieter

- Fragen wie z.B. Welcher Provider steckt dahinter? Wie ist der Kundenservice aufgestellt?

2) Software

        - Fragen wie z.B. Wie einfach lässt es sich implementieren? Wie oft gibt es Produkt-Updates?

3) Harte Fakten

        - Fragen wie z.B. Wie viel kostet eine Lizenz? Lässt es sich mit anderen Tools verknüpfen?

4) Funktionalität

        - Fragen wie z.B. Was für Dashboard-Optionen gibt es? Wie anpassbar sind die Funktionen?

5) Usability

        - Fragen wie z.B. Wie gut lässt es sich navigieren?

6) Qualität

        - Fragen wie z.B. Wie effizient ist das Tool? Liefert es messbare, relevante Ergebnisse?

Fazit

Die Fülle an Recruiting-Tools ist Fluch und Segen zugleich. Fluch, weil man angesichts der vielen Möglichkeiten und teilweise komplexen Fragen, die Versuchung groß ist, entweder gar nichts oder in blindem Aktionismus irgendwas zu kaufen. Segen, weil die Wahl des passenden Tools an der richtigen Stelle im Recruiting-Prozess den Gestaltungsspielraum von Recruitern und Personalmanagern innerhalb ihrer Organisationen unheimlich ausweitet.

Die Grundvoraussetzung dafür ist allerdings, dass man sich bereits im Vorfeld klar macht, was man von einer Software eigentlich erwartet. Darin unterscheidet sich die Auswahl des richtigen Tools gar nicht so sehr von der Auswahl der richtigen Kandidaten.

 

Die Autorin:

Als Associate bei i-potentials ist Anna Sauter-Getschmann unsere Expertin für R&D-Themen im Bereich Talent Acquisition und behält den Überblick über die Tops und Flops der HR-Tools (den sie übrigens in einer Excel-Tabelle aufbewahrt) - und zwar von Recruiting bis hin zu Mitarbeiter-Feedback.

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